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Photo:
www.zapatistas.com |
Chiapas
Die derzeitige Truppenstärke Beläuft
sich allein in Chiapas zur Zeit auf 60.000 bis 70.000 Mann regulärer Armee sowie
12 paramilitärische Gruppierungen |
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| Abkürzungen DEZLN
Zapatistische Nationale
Befreiungsarmee
COCOPA
Kommission für
Friedensstiftung
CONAI
Nationale Kommission
für Intermediation
PDR
Revolutionär-
Demokratische Partei
PAN
Partei der Nationalen
Aktion
EPR
Revolutionäre
Volksarmee
FZLN
Zapatistische Nationale
Befreiungsfront |
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Daß in Mexiko der Spielraum für Verhandlungen
und Dialog zwischen Regierung und EZLN im letzten Jahr immer enger geworden ist bzw. de
facto nicht existent ist hat mehrere Gründe:
Gewaltsame Übergriffe auf zivile
indigene Einrichtungen Am 22.
Dezember 1997 werden in Acteal 45 Indigenas, darunter viele Kinder und Frauen, Opfer eines
von paramilitärischen Trupps begangenen Massakers.
In San Juan de la Libertad und Union Progeso werden 3 bzw. 5 Indigenas in Folge
militärischer Säuberungsaktionen exekutiert.
Die "Bezirkshauptstädte" von Ricardo Flores Magon und Tierra y Libertad
werden von Truppen der Bundesarmee und Polizei quasi dem Erdboden gleich gemacht.
Der Verdacht, daß die Regierung Ernesto Zedillos gar nicht an einer friedlichen Lösung
des schwelenden Konfliktes interessiert ist, drängt sich daher natürlich auf und
erhärtet sich, wenn man sich die Position der Regierung zum "Abkommen von San
Andres" vor Augen führt. Dieses Abkommen, dessen Hauptziel es war, sich den
grundsätzlichen Problemen (indigene Rechte und Erhaltung der eigenen Kultur, politische
Mitbestimmung, Rechte der indigenen Frauen, etc.), mit denen die indigene Bevölkerung in
Mexiko konfrontiert ist, zu widmen oder sogar lösen zu können, wurde sowohl von den
Zapatistas als auch von Vertretern der Regierung unterzeichnet. Wegen nachträglicher
Unzufriedenheit über den Inhalt machte die Regierung jedoch keinerlei Anstalten sich den
aus dem Abkommen ergebenden Verfassungsreformen zu widmen. Daraufhin schlug die COCOPA den
beiden Vertragsparteien vor einen dem Abkommen entsprechenden Text auszuarbeiten. Sowohl
die EZLN als auch die Regierung waren damit einverstanden. Als der fertige Text
präsentiert wurde, stimmte die EZLN dem Vorschlag der COCOPA zu, obwohl darin eine Reihe
von Vereinbarungen des Abkommens von San Andres nicht berücksichtigt worden waren. Auch
seitens der Regierung wurde 3 Tage lang erklärt, daß man dem Elaborat zustimme. Nach der
Rückkehr des Präsidenten E. Zedillo von einer Asienreise legte dieser jedoch sein Veto.
Bis 1998 bediente sich die Regierung einer Taktik der Erhöhung der militärischen
Präsenz, des Aufbaus paramilitärischer Gruppen und der Zermürbung und Einschüchterung
der um Dialog und eine friedliche Lösung bemühten politischen Akteure, vor allem der
CONAI und COCOPA. Gleichzeitig wurde versucht im Eilzugverfahren einen Entwurf über die
Verfassungsreform über die Rechte und Kultur der 56 indigenen Ethnien aus dem Ärmel zu
schütteln, der weit unter den Übereinkünften von San Andres liegt.
Was damit bezweckt werden sollte, so Gilberto Lopez y Rivas, Abgeordneter der
oppositionellen PDR und Vertreter der COCOPA, in einem Interview, liegt klar auf der Hand:
"Die Regierung möchte die Verfassungsreform mit Hilfe der PAN durchbringen, um das
Thema im Schnellverfahren zu erledigen und danach das bestehende Gesetz über den Dialog
und die Verhandlungen aufheben. Sie will ein Amnestiegesetz, um das Problem mit ihren
paramilitärischen Einheiten zu lösen, und im Anschluß daran einen militärischen Schlag
gegen die Zapatisten inmitten eines völlig zerrütteten politischen Klimas durchführen
zu können. Zusätzlich hat sie noch eine Kampagne gegen Ausländer entfacht, um unbequeme
Zeugen loszuwerden. Sie will bei der Aggression gegen die Zapatisten freie Bahn
haben!"
Die von Präsident Zedillo unterstützte neoliberale Wietschaftspolitik schwächt immer
mehr die materielle Basis des Staates, was sich massivst auf die Ärmsten und die immer
spärlicher werdende Mittelschicht auswirkt. Steigende Preise für Grundnahrungsmittel,
Haushaltskürzungen, und Steuererhöhungen sorgen dafür, daß das einzige, was in Mexiko
wächst, weder Wohlstand noch soziale Gerechtigkeit sind, sondern die Anzahl der
Arbeitslosen und der sich im Konkurs befindlichen Staatsbetriebe. Das Resultat: Die
Reichen werden immer reicher und die Armen werden immr ärmer.
"RESISTENCIA" statt Krieg
Das, was die Zzapatisten nun von anderen lateinamerikanischen Guerillas -aber auch
mexikanischen wie der EPR - unterscheidet, ist, daß der bewaffnete Kampf für die EZLN
niemals eine echte Lösung des Problems darstellt vielmehr ist es if ziel den
Dialog mit den verschiedenen Teilen der mexikanischen, und internationalen
Zivilgesellschaft zu vertiefen. Doch die Praxis hat den Zapatisten deutlich gemacht, daß
diese Hoffnungen, auf die Erringung eines menschenwürdigen Lebens nicht auf die Regierung
gerichtet sein können, sondern von der unabhängigen Organisierung der Zivilgesellschaft
abhängen. Ein Teil dieses Bestrebens der EZLN, vom bewaffneten zum politischen Kampf zu
kommen, wurde am 1. Jänner 1996 mit der Gründung der FZLN erreicht, einer zivilen und
pazifistischen Organisation, unabhängig und demokratisch, mexikanisch und national, für
Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit kämpfend.
1999 - die alte und die neue Politik
Auch im heurigen Jahr wird es wieder 2 Arten von Politik in
Mexiko geben:
Auf der einen Seite stehen die politischen Parteien, die sich in die Schlacht zur Wahl des
Präsidenten und des Nationalkongresses geworfen haben
Auf der anderen Seite müssen die sozialen, gemeinsamen, als auch individuellen Kräfte
ihren Platz in der Teilnahme am politischen Leben definieren.
Das Jahr 1999 soll weder dem Krieg, noch der Teilnahmslosigkeit, noch dem Konformismus
gehören. Der friedliche Kampf für die Rechte aller und die Forderung nach Freiheit,
Demokratie und Gerechtigkeit sollen dieses Jahr 1999 der Zapatisten prägen.
"Wir sind dazu aufgerufen nicht zu träumen, sondern zu handeln!" |