international

USA 2000:
Wer folgt Clinton?

Die Fortsetzung des Berichtes über mögliche
Präsidentschaftskandidaten in den USA für die
nächsten Wahlen im Jahr 2000 befaßt sich diesmal
mit dem republikanischen Lager.



Martin Stradal

studiert HW in Wien

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Photos: www.lj.eb.com/elections

George W. Bush jr.
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Photo: www.exis.net

Steve Forbes
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Photo: www.2gdi.net
Elisabeth Dole
Wahlsystem
in Kürze

Die Kandidaten kämpfen in den einzelnen Bundesstaaten um Delegiertenstimmen für den Bundesparteitag. Die Wählerstimmen für einen gewünschten Kandidaten werden dann auf dem Bundesparteitag den potentiellen Präsidentschaftsbewerbern zugeordnet. Anschließend erfolgt eine Zuteilung der Delegierten des entsprechenden Bundesstaates entsprechend dem Stimmenanteil der Kandidaten.

Diese Bundesparteitage sind zugleich Nominierungskonvente der Parteien und finden traditionell im Juli oder August des Wahljahres statt, wobei erst im Zuge dieses Konventes der offizielle Kandidat vorgestellt wird.

 

Im Gegensatz zur demokratischen Partei, in der sich Vizepräsident Al Gore noch kaum mit ernstzunehmenden politischen Gegenkandidaten innerhalb der Partei herumschlagen muß, sieht es bei den Republikanern ganz anders aus. Diese wollen das Weiße Haus mit aller Gewalt zurückerobern, gleichzeitig die Abgeordnetenmehrheit im Kongreß halten und auch auf bundesstaatlicher Ebene nicht die Mehrheit der Senatoren einbüßen. Hohe Ziele, für deren Verwirklichung noch das geeignete Zugpferd fehlt. Hier ein kurzer Überblick über potentielle Kandidaten:

George W. Bush jr.

Er gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für das Präsidentenamt. Sein Name weckt bei Parteifreunden Erinnerungen an jene Zeit, als sein Vater zwischen 1988 und 1992 im Weißen Haus regierte. Viele Republikaner, hauptsächlich in den Bundesstaaten im Westen und im Mittleren Westen, sehen in dem erfolgreichen Gouverneur von Texas den geeigneten Mann das Weiße Haus zu erobern. Mit republikanischen Werten und streng konservativer Politik hält er seinen Staat an der Grenze zu Mexiko fest im Griff. Meinungsumfragen in Texas ergeben Zustimmungsraten bis zu 80% für Bush, er selbst hat sich allerdings in der Öffentlichkeit noch nicht dezitiert für eine Kandidatur ausgesprochen.

Man weiß seine Überlegungen gegen eine Kandidatur noch nicht richtig einzuschätzen, denn die Tatsache, daß er als Präsident keine Zeit mehr für Angelausflüge hätte und darüber hinaus auch nicht mehr mit seinen Enkelkindern auf seiner Ranch spielen könnte sind jedem Politiker und auch jedem Staatsbürger ohnedies bekannt. Viele vermuten eine Hinhaltetaktik um nach der eben erst wiedergewonnen Wahl im November die texanischen Wähler nicht vor den Kopf zu stoßen. Man würde es ihm wohl übel nehmen, wenn er jetzt schon seine Kandidatur bekannt geben würde, denn einen Präsidentschaftswahlkampf zu führen und nebenbei auch noch einen Bundesstaat zu regieren ist sicherlich unmöglich. Andererseits kann er sich der Unterstützung seines Staates und seiner Wähler sicher sein, wenn er gegen Ende der innerrepublikanischen Vorausscheidungen in den Ring steigen würde, aber das Timing muß wohl überlegt sein.

Abgesehen davon verfügt er über Kontakte seines Vaters im gesamten Bundesgebiet, die ihm finanziell und medienwirksam unter die Arme greifen würden, womit er den sicherlich aufwändigsten Wahlkampf führen könnte. Er selbst hält sich jedoch weiterhin verdeckt über seine politischen Absichten.

Steve Forbes

Der Gründer eines riesigen Verlagimperiums hat seine Kandidatur schon länger bekanntgegeben und tourt schon fleißig durch die Staaten um Werbung für seine Kampagne "A Strategy for America´s Future" zu machen. Seine Hauptangriffsfläche bietet ihm sein möglicherweise schärfster Rivale auf dem Weg ins Weiße Haus: ein gewisser George Bush jr! Steve Forbes kritisiert nicht nur die Politik des ehemaligen Präsidenten George Bush um dessen Sohn aus der Reserve zu locken, er läßt auch kein gutes Haar an der sogenannten "compassionate conservatism"- Politik des Gouverneurs aus Texas. Diese sieht einen moderateren Mitte-Rechts Kurs vor, als es Hardliner wie zum Beispiel Newt Gingrich propagiert haben und damit auch letztendlich bei den Wählern gescheitert sind.
Forbes glaubt, daß er die besseren Konzepte und Argumente gegen George Bush jr hat, läßt deren Details allerdings bislang eher im Verborgenen. Er hat sich als größter Widersacher von George Bush jr innerhalb der Republikaner gemausert, womit viele andere Kandidaten sich hinter dem Selfmademillionär scharen, um ihrerseits Attacken gegen den Gouverneur von Texas zu starten.
Forbes selbst steht für eine Restrukturierung des Steuersystems und für eine Einführung einer 17%igen "flat tax". Darüber hinaus plant er eine Reform des Gesundheits- und Pensionssystems. Nebenbei fährt er gerne Attacken gegen multinationale Institutionen wie den IWF und die UNO, welche bei hard-core Republikanern sehr gut ankommen. In Sachen Wirtschaftspolitik prophezeit er eine Rückkehr zu den Grundsätzen der "Reaganomics", also eine angebotseitige Orientierung der wirtschaftspolitischen Grundsätze. In Zeiten, in denen der Staatshaushalt erstmals seit den siebziger Jahren einen Überschuß verzeichnen kann, ist diese Argumentation aber wahrscheinlich nicht zielführend. Dennoch, Steve Forbes ist ein Meister im Umgang mit Medien, eine Eigenschaft, die ihn zumindest zu einem Mitfavoriten macht.

"Bauer Power"

Gary Bauer, ehemaliger Abgeordneter im Kongreß, gilt als der Kandidat für die alte Garde der Republikaner aufgrund seiner Themenfokusierung auf Abtreibung, Förderung der Kleinbetriebe und Beschneidung der Interessen großer Konzerne zugunsten kleinerer.

Man gibt ihm keine allzu großen Chance, gegen die "big player" wie Steve Forbes oder George Bush jr, aber seine Kampagne "Bauer Power" konnte zumindest mehr Unterstützungsgelder auftreiben, als jene des ehemaligen Vizepräsidenten Dan Quayle. Neben den oben erwähnten Themen macht sich Bauer ebenfalls gegen die von George Bush propagierte Politik der "compassionate conservatism" stark, welche er als medien-und wählererprobte Klischeephrasen kritisiert. Als Vorsitzender des "Pro-Life" Familienforschungsinstituts hat er sein Hauptaugenmerk auf den Kampf gegen die Abtreibung gelegt. Beobachter geben ihm auch gute Chancen, Stimmen aus Steve Forbes´Wählerpotential zu ergattern. Ob dies allerdings reicht, um ins Weiße Haus zu kommen sei dahingestellt. Der noch-nicht Kandidat Bush hingegen beobachtet den Kampf um die traditionellen Wahlkampfthemen der Republikaner unterdessen aus sicherer Entfernung. Ihm kann der Verlust an Wählerterrain von Steve Forbes zugunsten von Gary Bauer nur recht sein, denn dieser verfügt über keine breite Unterstützung in den Bundessaaten.

Elisabeth Dole

Die Ehefrau des Gegenkandidaten von Bill Clinton im Jahre 1996, Bob Dole, hält sich ebenso wie Mr. Bush noch bedeckt über ihre Absichten. Tatsache ist jedoch, daß sie ihre Funktion als Vorsitzende des amerikanischen Roten Kreuzes aufgegeben hat, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Welche Herausforderungen dies sein werden ließ sie aber noch dahingestellt. Ihre Reiseroute der letzten Monate läßt aber auf größere Absichten schließen, denn der wahl-taktisch wichtigste Bundesstaat New Hampshire war eine der meist bereisten Destinationen. Meinungsumfragen geben ihr und George Bush teilweise sogar höhere Zustimmungsraten als Vizepräsident Al Gore. Manche Medien schüren schon die Werbetrommel für die erste Frau als Präsident der USA. Elisabeth Dole hat schon als Arbeitsministerin unter Bush sen. politische Erfahrung gesammelt, ob sie allerdings ihr Charme und ihre mediengerechte Ausstrahlung ins Weiße Haus bringen werden ist noch unklar.

Ihr Ehemann Bob meinte unlängst in der "Latterman Show", daß er seine Frau bei ihren Absichten voll und ganz unterstützen werde, denn, wenn seine Frau mal ins Weiße Haus eingezogen sei, dann wäre er der erste "first husband" der Geschichte.